Vorkriegszeit

Singen hat in Bunnen eine lange Tradition, denn schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Bunnen einen Gesangverein Einigkeit.
GV_Einigkeit Damals wurde gesungen und Theater gespielt. Josef Dumstorff erinnerte sich noch an ein Programm, das ähnlich wie das folgende Theaterprogramm aus dem Jahr 1906 gestaltet war.
Theaterprogramm_1906

Zur damaligen Zeit gab es nicht den Sängerball, wie wir ihn heute kennen, sondern man lud ein zu einem Theaterabend, an dem abwechselnd gesungen und Theater gespielt wurde. Ob der damalige Männerchor zu einem Ständchen anlässlich einer Hochzeit oder einer Silberhochzeit unterwegs war, konnte man schon von weitem erkennen, denn allen voran wurde ein Schaukasten etwa in der Größe eines Fernsehbildschirmes getragen. An der Vorderseite besaß dieser eine Glasscheibe, die mit dem Namen des Vereins beschriftet war und in dem Kasten brannten einige Lichter.
Schaukasten

Anfangs gab es wohl nur einen Männerchor.
Die Mitgliederliste ist von Paula gr. Nipper und Klärchen Dumstorff überliefert.
mitglieder1922

Aus dem Jahr 1922 ist die Fahne, die lange Zeit im damaligen Vereinslokal Dumstorff ihren Platz hatte und heute im Pfarrheim an der Niehaus-Straße im Übungsraum des heutigen Gesangvereins in einem Glaskasten hängt.
Darauf prangt in schöner alter Schrift: Gesang-Verein Einigkeit Bunnen 1922. Auf der Fahnenrückseite ist übrigens zu lesen: "Rein wie Gold, stark wie Erz - sei des deutschen Sängers Herz"
fahne
Zur Sicherung vor den Nazis wurde die Fahne von Josef Dumstorff in Verwahrung genommen. Dieser übergab sie nach Ende des Krieges an den Wirt Alfred Dumstorff, dem Besitzer des früheren Vereinslokals, der dafür eigens einen Schaukasten herstellen ließ und somit fand die Fahne wieder ihren festen Platz an der Wand im Saal des Wirtshauses. In den neunziger Jahren schließlich kam das Wirtshaus Dumstorff in den Besitz vom Max Müller und damit auch die alt ehrwürdige Fahne des Gesangvereins. Hubert Anneken, der damalige Vorsitzende des Kirchenchores St. Michael Bunnen, bat die Familie Müller um die Herausgabe der Fahne. Nach langem Für und Wider wurde ihm dann doch freundlicherweise die Fahne ausgehändigt. So entging die Fahne der Zerstörung, denn kurze Zeit später brannte das Wirtshaus Dumstorff bis auf die Grundmauern nieder. Hubert Anneken ließ einen neuen Schaukasten anfertigen und die Fahne fand im Pfarrheim St. Michael ihren neuen Platz, wo sie auch heute noch hängt.

Die Dirigenten des damaligen Männergesangvereins waren meist die Pädagogen der Volksschule. So dirigierte zunächst der Lehrer Eduard Engeln und danach Hauptlehrer Josef Niemann. Der Verein bestand bis in die dreißiger Jahre und wurde kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges in einer turbulenten Sitzung aufgelöst.
Etwa ab 1927 gab es auch einen Mädchenchor, der von Lehrer Paul Meyer geleitet wurde. Später schloss sich diesem Chor noch eine Gruppe von Frauen an. Über diesen Chor, der auch zur Zeit des Nationalsozialismus seine Existenz verlor, ist heute nur noch wenig in Erfahrung zu bringen.
Maedchenchor